Ein Interview mit MakeSense

Mai 10, 2015

Autor: Frederik

Wenn sich die Gangster von MakeSense zu einem sogenannten Hold-Ups treffen, dann freuen sich Sozialunternehmer auf der ganzen Welt. MakeSense ist eine weltweite Community aus engagierten "Gangstern" die es sich zur Aufgabe gemacht hat Sozialunternehmer bei ihren Herausforderungen zu unterstützen. Auch wir durften das schon erleben!

Hallo Daniel, kannst du kurz erklären, was MakeSense ist?

MakeSense ist eine Bewegung von jungen Menschen, die mit innovativen Methoden Sozialunternehmern bei Ihren Herausforderungen hilft.

Seit wann gibt es MakeSense schon?

MakeSense ist Anfang 2011 in Paris gestartet und hat im Sommer 2011 in London und Berlin Fuß gefasst.

Und wo seid ihr überall aktiv?

Wir sind schon in über 100 Städten aktiv geworden, und hatten auch schon SenseCamps rund um die Welt, von São Paolo bis Singapur. In Deutschland sind wir außer in Berlin in Frankfurt, München und Kiel aktiv, und haben auch Gangster in Mannheim, Freiburg und Hamburg.

Ihr bezeichnet euch als „Gangster“ die regelmäßig „Hold-Ups“ also Überfälle abhalten, seid ihr nicht eigentlich eher die Guten?

Das Ganze kam vom Gedanken der globalen “Gang” – so wurden unsere Mitglieder dann zu “Gangstern”. Aber ja, uns geht es schon darum, den ‘Guten’ zu helfen, wir sind eben ‘Gangsters for Good’. Deswegen geht es in unseren Hold-Ups ja darum, Sozialunternehmern bei einer Herausforderung zu helfen.

Wie muss man sich so ein typisches Hold-Up vorstellen?

Hold-Ups sind meist individuell vorbereitet, folgen aber einem Schema. Zu Beginn stellt der Sozialunternehmer die Aufgabe vor, danach sammeln wir Ideen, moderiert von einem Gangster. Dabei gilt: Filter aus! Es geht erst einmal um Quantität statt Qualität – ganz nach dem Motto dass eine gute Idee erst auf 10 schlechte folgt. Erst danach filtern wir nach Qualität, ordnen die Ideen neu und suchen Verbindungen. Davon ausgehend erarbeiten kleinere Gruppen verschiedene Konzepte, die sie dann am Schluss allen vorstellen, und die dann durch gezieltes Feedback für die zweite Iteration vorbereitet werden. Ab da muss dann der Sozialunternehmer wieder übernehmen, oder wir arbeiten mit einer kleinen Gruppe, einer ‘Mini-Gang’ weiter an der Lösung.

Was muss man bei euch tun um Gangster zu werden?

Bei MakeSense geht es darum, aktiv zu werden. Wenn ein Gangster etwas machen möchte, dann helfen wir dabei es umzusetzen. Wenn z.B. ein neuer Gangster einen Hold-Up organisieren möchte, dann unterstützen wir mit Trainings, Manuals, finden Räume und helfen die Community zu mobilisieren.

Gibt es bestimmte Schwerpunkte bei euren Hold-Ups und den Unternehmern, die ihr auswählt?

Das ist im Prinzip dem Gangster selbst überlassen, wir wollen uns da nicht in Diskussionen über die Definition von Sozialunternehmertum verstricken. Es geht darum, dass der Gangster den Partner inspirierend und spannend findet.

Wir sehen dass das Hold-Up Format oft am besten hilft, wenn es um Hürden geht, vor denen das Sozialunternehmen schon länger sitzt. Wir haben aber auch andere Format, z.B. SenseFiction um Menschen zu helfen, ihre Ideen in Konzepte umzusetzen, um sie als Projekte oder Sozialunternehmen entwickeln zu können.

Natürlich kann man sich auch an Veranstaltungen beteiligen, z.B. bei der Organisation des SenseCamps, das diesen Sommer in Berlin stattfindet.

Mittlerweile gibt es ja schon weitere Projekt von MakeSense. Kannst du kurz erklären, was es mit der “SenseSchool“, und den anderen Projekten auf sich hat?

Aus MakeSense heraus haben sich weitere Sozialunternehmen aufgebaut, die Teile von MakeSense weiterentwickeln, an spezielle Kontexte anpassen, und damit Einkommen generieren. So entwickelt z.B. SenseSchool Innovationskurse und -programme für Hochschulen. Vom Einkommen fließt ein Teil zurück in die Finanzierung der Community.

Was ist denn eigentlich eure größte Challenge?

Wir in Berlin arbeiten gerade daran, SenseCube, unser Social Startup Acceleration Programm, hier aufzusetzen. In Paris ist gerade das zweite Batch im Programm, in Mexico City haben wir die Finanzierung gesichert, und im Herbst soll es in Berlin und London auch starten. Wir sprechen gerade mit einigen Firmen, die Interesse bekundet haben, einen ersten Kunden zu finden ist aber gerade unsere größte Challenge.

Eine Frage, die wir uns einfach nicht verkneifen können: Wie sieht deine/eure perfekte Welt aus?

In meiner perfekten Welt sind Regierungen gerecht, effizient und transparent, es gibt keinen Nationalismus, Rassismus, Sexismus oder sonstige Diskriminierung aufgrund von aufgesetzten Identitäten, und die Wirtschaft dient der Menschheit. Unternehmen arbeiten zum Wohle der Menschheit, und sehen in Profit lediglich ein Werkzeug (von vielen), aber nicht das Ziel. Armut ist ein Konzept dass niemand mehr kennt, wir leben im Einklang mit uns selbst und unserem Planeten, und hinterlassen jeder nachfolgenden Generation ein Versprechen: Ihr könnt es noch besser haben.

Daniel Hires

Daniel hat MakeSense in Berlin und Busan (Korea) gestartet, und das SenseCamp Unkonferenz-Format mitentwickelt. Er ist Mitgründer der Silent Climate Parade, Co-Autor von “Phase 0 – How to make some action”, und hat im vergangenen Jahr für eine Klimaschutzorganisation ein Konzept für ein grünes Fintech Spinoff entwickelt und 1,4 Millionen Euro in Finzierung gesichert. Daniel’s Interesse gilt Gemeinschaften, die Menschen dabei unterstützen, kollaborativ ihre Ideen für eine bessere Welt in die Tat umzusetzen.